ARKM Zentralredaktion 20. Juli 2015

Auf der Prüfliste von Lebensmittelkontrolleuren steht mehr als nur Nahrung

Zwischen Rumpsteaks, Feuchtigkeitscreme und Babybrei

Kreis Soest – Was macht ein Lebensmittelkontrolleur in einem Brillengeschäft? Und warum kann sich unter den Waren-Proben ein schwarzer BH befinden? „Unser Job beinhaltet mehr als die Kontrolle von Restaurants und Fleischereien“, erklären Raphael Funke und Stefan Risse. Sie sind Lebensmittelkontrolleure des Kreises Soest und sind je für circa 500 Betriebe zuständig, die nicht alle mit Lebensmitteln handeln.

Bei der Kontrolle eines Restaurant oder eines Discounters achten Funke und Risse auf eine Vielzahl von Kriterien: Funktioniert die Kühlung für die Fleischwaren richtig? Gibt es ein Ungezieferproblem? Werden regelmäßig Hygieneschulungen für die Angestellten durchgeführt? Diese und weitere Checkpunkte haben die Lebensmittelkontrolleure im Kopf. Neben einem Auge für Details und den jeweiligen gesetzlichen Vorschriften und Richtlinien müssen die beiden in ihrem Beruf auch eine gute Nase habe: „Der Geruch in einem Kühlhaus kann bereits viel verraten. Man merkt schnell, ob in der kalten Luft ein modriger oder gammeliger Duft liegt. Eine Geruchsprobe allein reicht aber natürlich nicht aus“, so Risse. Der 44-Jährige kennt sich mit Lebensmitteln sehr gut aus, war er doch früher Küchenchef einer Großküche. Als Chefkoch erhielt er selbst regelmäßig Besuche von Lebensmittelkontrolleuren. 2009 wechselte Stefan Risse dann die Fronten und machte eine zweijährige Ausbildung zum Lebensmittelkontrolleur beim Kreis Soest und wurde vom Überprüften zum Prüfer.

Ob ein Fisch frisch ist, kann man laut Lebensmittelkontrolleur Funke an folgenden Kriterien erkennen: „Die Augen des Fisches sollten klar sein und die Kiemen sollten einen kräftige rote Färbung haben. Zudem riecht ein frischer Fisch nicht nach Fisch. Einfache Regel also: Riecht ein Fisch nach Fisch, dann lieber Finger weg.“ (Foto: Judith Wedderwille/Kreis Soest).

Ob ein Fisch frisch ist, kann man laut Lebensmittelkontrolleur Funke an folgenden Kriterien erkennen: „Die Augen des Fisches sollten klar sein und die Kiemen sollten einen kräftige rote Färbung haben. Zudem riecht ein frischer Fisch nicht nach Fisch. Einfache Regel also: Riecht ein Fisch nach Fisch, dann lieber Finger weg.“ (Foto: Judith Wedderwille/Kreis Soest).

„Wir kontrollieren aber nicht nur Lebensmittel“, betonen Risse und Funke. „Vielen ist nicht bewusst, dass wir auch Bedarfsgegenstände wie Pfannenwender, Kosmetik oder Brillen auf beispielsweise giftige oder bedenkliche Inhaltsstoffe kontrollieren. Sprich, es werden alle Gegenstände geprüft, die direkt mit der Haut oder mit Lebensmitteln in Kontakt kommen und mikrobiologische oder chemische Stoffe abgeben könnten“, so die Lebensmittelkontrolleure. Es sei auch schon vorgekommen, dass sie in einem Bekleidungsgeschäft einen schwarzen BH als Probe mitnehmen mussten, da der Verdacht bestand, dass bei der Herstellung ein bedenkliches Färbemittel verwendet wurde. Zwar sei eine solche Probe nicht unbedingt alltäglich, aber es komme durchaus vor.

Raphael Funke und Stefan Risse mögen ihren Beruf. „Man weiß nie, was der Tag so bringt. Keiner will gerne kontrolliert werden, aber die meisten Geschäftsinhaber im Kreisgebiet sind entgegenkommend und freundlich“, erklärt Funke. „Auch wenn wir etwas finden, ist es doch dann bei einer Nach- oder Folgekontrolle schön zu sehen, dass sich etwas im Betrieb verbessert hat“, ergänzt Stefan Risse. Eine Benotung der Geschäfte oder ihrer Waren im Sinne von „sehr gut“, „gut“, „befriedigend“ etc. geben die Lebensmittelkontrolleure aber nicht ab: „Wir sind ja schließlich nicht Stiftung Warentest“, scherzen die Beiden. Für sie steht die Gesundheit der Verbraucher im Fokus und damit auch die Wahrung der gesetzlichen Richtlinien für die jeweiligen Betriebszweige. So sind die Lebensmittelkontrolleure des Kreises auch auf den alljährlichen Schützenfesten in der Region anzutreffen, wo sie zum Beispiel Schankanlagen und Kioske unter die Lupe nehmen.

Ein prüfender Blick auf die Lüftungsanlage im Kühlraum gibt den Lebensmittelkontrolleuren Auskunft über die Wartung und Reinigung der Anlage (Foto: Judith Wedderwille/Kreis Soest).

Ein prüfender Blick auf die Lüftungsanlage im Kühlraum gibt den Lebensmittelkontrolleuren Auskunft über die Wartung und Reinigung der Anlage (Foto: Judith Wedderwille/Kreis Soest).

Wie oft ein Betrieb oder ein Geschäft kontrolliert wird, hängt zum großen Teil von der sogenannten Risiko-Beurteilung ab. Diese Beurteilung richtet sich einerseits nach den Produkten, andererseits danach, wie oft ein Betrieb bei Kontrollen negativ auffällig wurde. Je höher die Risiko-Beurteilung, desto häufiger die Kontrollen. Da Eisdielen, Fleischereien oder auch Fischgeschäfte mit leicht verderblichen Produkten handeln, werden diese Betriebe häufiger kontrolliert. „Ein weiteres Kriterium ist, ob besonders gefährdete Verbrauchergruppen betroffen seien könnten, wie in Senioreneinrichtungen oder Kindergärten. Kleinkinder und ältere Personen sind, was ihr Immunsystem angeht, anfälliger für etwa Bakterien oder andere Krankheitserreger. Daher werden Verteilerküchen von Kindergärten mit U3-Kindern häufiger kontrolliert“, erläutert Raphael Funke.

3.753 Betriebe gibt es im Kreis Soest, die nach Bezirken auf sechs Lebensmittelkontrolleuren aufgeteilt sind. Im Jahr 2014 wurden 2.814 Betriebe (74,9 Prozent) kontrolliert. Da bei einigen Betrieben eine erneute Sichtung erfolgte, kamen die Lebensmittelkontrolleure des Kreises für das Jahr 2014 auf insgesamt 4.035 Kontrollen (2013: 3.845 Kontrollen).

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