ARKM Zentralredaktion 7. September 2011

Mit Smart Metering sparen wir bares Geld

Die erfolgreiche Pionierarbeit des Stadtwerk Haßfurt geht in die nächste Runde: Der fränkische Energieversorger hat nicht nur seine Jahresverbrauchsabrechnung mit den Smart Metering-Lösungen der EVB Energy Solutions automatisiert, das Stadtwerk nutzt die intelligente Messdatentechnologie seit Anfang 2011 im Multi Utility-Einsatz bei Gas und Wasser.

Das Stadtwerk Haßfurt ist auf dem Weg in die Zukunft: Zahlreiche Prozesse laufen dank Smart Metering schon heute automatisiert.

Das Ziel ist auch bei diesen Sparten die automatisierte Verbrauchsabrechnung. Damit nicht genug: Das Stadtwerk kann dank Smart Metering jetzt den Energieeinkauf optimieren. Die Haßfurter setzen damit konsequent die Ergebnisse der vierten LBD-Studie der EVB Energy Solutions um: Dank anonymisiertem Clustering können die Kunden des Energieversorgers anhand ihres Lastprofils nun genau segmentiert werden. Mit diesen Daten lässt sich nicht nur der Energieeinkauf aufgrund einer genaueren Mengenprognose besser steuern, durch Lastverlagerung mittels entsprechender Tarife reduzieren sich auch die Beschaffungskosten.
Bereits 2008 hat die Stadtwerk Haßfurt GmbH mit dem bundesweit ersten flächendeckenden Rollout von Smart Metern für Aufsehen gesorgt: Bis Ende 2010 hat das Energieversorgungsunternehmen (EVU) alle versorgten Haushalte mit 10.000 intelligenten Stromzählern der EVB Energy Solutions ausgestattet, die via Powerline-Kommunikationstechnik (PLC) angebunden sind. Die Smart Metering-Systeminfrastruktur wurde über die Meterus-Middleware für das Meter-Data-Management an das Abrechnungssystem angebunden. So konnte für 2009 bereits die erste automatisierte Jahresendabrechnung erstellt werden – ein Meilenstein in der Prozessumstellung, der dem Stadtwerk nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch Kosten spart.

Ganzheitlich: Smart Metering im Multi Utility-Einsatz
Diesen Effekt will der Energieversorger auch im Multi Utility-Einsatz fortsetzen: „Nachdem die Jahresendabrechnung 2009 für Strom dank automatisierter Prozesse viel einfacher und effizienter abgelaufen ist, wollen wir auch bei Gas und Wasser auf einen durchgängig automatisierten Abrechnungsprozess umstellen“, gibt Norbert Zösch, Geschäftsführer des Stadtwerk Haßfurt, das Ziel vor. Nach einem erfolgreichen Pilottest setzt das EVU seit Anfang des Jahres Smart Metering ganzheitlich über alle Sparten ein. Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden in allen Haushalten im Versorgungsgebiet intelligente Gas- und Wasserzähler installiert – insgesamt 5.000 weitere Messstellen. Schon jetzt haben die Haßfurter rund 700 Hydrus-Wasserzähler der EVB-Schwester Hydrometer sowie ebenso viele intelligente Gaszähler verbaut. Überall dort, wo Strom- und Gaszähler zu weit voneinander entfernt sind, kommt der Elektronische Gaszähler (EGZ) des EVB-Schwesterunternehmens Diehl Gas Metering als Funklösung zum Einsatz. Ab 2012 wird die neue Gerätegeneration Aerius des Nürnberger Funkspezialisten verbaut. Ansonsten werden Balgengaszähler von Elster per Kabel an die intelligenten Stromzähler angebunden. Die Geräte operieren durch M-Bus nach dem Open Metering-Standard.

Meilenstein: Prozessoptimierung im Einkauf
Neben dem reibungslosen Funktionieren der Smart Metering-Infrastruktur und der IT-Anbindung über alle Sparten hinweg sind vor allem die positiven Effekte in der Prozessoptimierung ausschlaggebend dafür, dass das Stadtwerk Haßfurt jetzt noch einen Schritt weiter geht als intelligente Zähler zu verbauen und variable Tarife anzubieten: „Smart Metering ist dann effektiv, wenn alle Prozesse entlang der Wertschöpfungskette automatisch ablaufen. Deshalb wollen wir nicht nur unsere Abrechnung optimieren, sondern auch unsere Beschaffung“, betont der Stadtwerkchef. Mit dieser Zielsetzung setzt der Energieversorger die Ergebnisse der vierten LBD-Studie „Potenziale aus Beschaffungsoptimierung mit Smart Metering – Handlungsempfehlungen für Energieversorger“ um, die die EVB auf der diesjährigen E-World vorgestellt hat.
Bislang laufen beim Stadtwerk Haßfurt die Geschäftsprozesse Jahresverbrauchsablesung, Stichtagsablesung, Rechnungsstellung, Tarifwechsel sowie Leerstandsmanagement bei Umzügen automatisiert und reibungslos ab, nun sollen auch die Einkaufsprozesse mit den dank Smart Metering gewonnenen Daten optimiert werden. Dazu hat der fränkische Energieversorger eine spezielle Software installiert: Sie greift auf die Meterus-Middleware zu, die die Messdaten für die jeweiligen Systemanwendungen des EVU vorhält und aufbereitet. Dank dieser Verbrauchsdaten können die Haßfurter ihre Kunden nun anonymisiert anhand ihres spezifischen Lastprofils identifizieren und zusammenfassen (Clustering). So lassen sich zum Beispiel Standard-, Off-peak- und Peak-Cluster bilden. Mit den verschiedenen Lastprofil-Clustern können – wie die aktuelle Smart Metering-Studie zeigt – zum Beispiel Preisrisiken bei langfristiger Beschaffung zur erhöhten Preisen und Mengenrisiken, die durch die Abweichung vom Ist-Verbrauch zur Prognose entstehen, minimiert werden. „Mit diesen differenzierten Kundenverbrauchsdaten sind wir beim Energieeinkauf nicht mehr wie bisher auf Prognosen auf Basis des Standardlastprofils (SLP) angewiesen, sondern können unsere Beschaffungszeiträume ändern und die eingekauften Energiemengen dem realen Verbrauch unserer Kunden anpassen. Damit sparen wir bares Geld“, frohlockt Zösch.

Einsparpotenziale wachsen mit steigenden Einkaufspreisen
Die Einsparpotenziale sind dabei nicht unerheblich: Die vierte LBD-Studie rechnet zum Beispiel mit Einsparungen bei den Beschaffungskosten in Höhe von 1,05 Euro pro Megawattstunde, wenn das SLP optimiert wird. Zugrunde liegt dabei das Preisniveau im Großhandel an der Europäischen Energiebörse (EEX) von 2010 mit Durchschnittswerten von 50 Euro pro Megawattstunde (im Base-Band) und 62,50 Euro pro Megawattstunde (im Peak-Band). Für einen Energieversorger mit 50.000 Kunden bedeutet das: Das EVU kann mit SLP-Optimierung pro Jahr 157.500 Euro Beschaffungskosten sparen. Mit Tarifen zur aktiven Verbrauchsverlagerung, die für rund 10 Prozent der Kunden interessant sind, können 12.900 Euro pro Jahr erwirtschaftet werden. Bei off-peak-lastigen Kundensegmenten ist ein Gesamtpotenzial von 139.600 Euro pro Jahr zu erwarten. Die Potenzialsummen sind allerdings entscheidend davon abhängig, wie groß das jeweilige Kundensegment ist und wie stark ihr spezifisches Lastprofil vom H0-Profil abweicht.
Die in der Studie berechneten Einsparpotenziale durch Beschaffungsoptimierung verdoppeln bis verdreifachen sich sogar noch, wenn weiter steigende Einkaufspreise als realistisch angenommen werden. Dazu hat die Forschungsarbeit das hohe Großhandelspreisniveau von 2008 zugrunde gelegt. Die Folgen sind deutlich: Zwar können mit einer SLP-Optimierung, die alle Kunden betrifft, noch 291.000 Euro Beschaffungskosten pro Jahr eingespart werden. Allerdings hat die Beschaffungsoptimierung bei off-peak-lastigen Kundensegmenten mit 351.000 Euro pro Jahr einen weitaus größeren Effekt. Auch mit Tarifen zur aktiven Verbrauchsverlagerung können bei hohen Einkaufspreisen und 10 Prozent der Kundenklientel 47.300 Euro pro Jahr erwirtschaftet werden. Nimmt man noch die Reduzierung der Konzessionsabgabe hinzu, die sich bei Lastverlagerung in Schwachlastzeiten ergibt, werden zusätzlich 16.100 Euro pro Jahr eingespart. „Angesichts der derzeitigen Unsicherheiten bei der Energiewende gehen wir von anziehenden Preisen an der Strombörse aus. Die Prozessoptimierung im Einkauf rüstet uns also gut für die Zukunft. Dank Smart Metering können wir unseren Kunden dann weiterhin ein relativ stabiles Preisniveau und Anreize zum Energiesparen bieten“, freut sich Zösch.

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Veröffentlicht von: opr
am 7. Sep 2011 und wurde einsortiert unter:
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